Entscheidet Ihr LinkedIn-Profil, ob Sie eingestellt werden oder nicht?

Entscheidet Ihr Lindenin Profibild ob Sie den Job kriegen

Egal ob es uns gefällt oder nicht: Jeder von uns wird beäugt, beurteilt und in eine Schublade gesteckt.


Arbeitgeber sehen sich das LinkedIn-Profilbild eines potenziellen Kandidaten an und manchmal passiert es, dass Sie allein anhand des Aussehens darüber entscheiden, ob der Bewerber für den Job geeignet ist oder nicht.

Sie glauben das nicht? Dann lesen Sie das hier:

Ganze 8 von 10 Teilnehmer einer Umfrage sind der Meinung, dass das LinkedIn-Profilbild dazu beiträgt, die Person besser kennenzulernen; 80 % glauben, dass es einen entscheidenden Faktor für die Auswahl der Bewerber darstellt.

Um mehr darüber zu erfahren, wie sich Ihr LinkedIn-Profilbild auf die Chancen auswirkt, eingestellt zu werden, haben wir mehr als 200 HR-Profis, Geschäftsinhaber und Manager befragt.

Lesen Sie weiter, um herauszufinden zu welchen Ergebnissen wird gekommen sind.

Wir beurteilen das Buch nach seinem Umschlag

“Auch wenn wir es nicht gerne zugeben wollen, wir alle beurteilen ein Buch nach seinem Umschlag und wir müssen verstehen, welchen Einfluss dies auf unsere Entscheidungen hat.” Cindy Corpis, CEO von SearchPeopleFree.

Unsere Ergebnisse zeigen, dass 82 % der LinkedIn-Fachleute der Meinung sind, dass wir nicht nach dem Äußeren gehen sollten. Das bedeutet, dass wir, zumindest theoretisch, Bewerber nicht nach Ihrem Profilbild beurteilen dürfen.

Aber in Wahrheit werden Bewerber, häufiger als Sie es vielleicht vermuten, aufgrund Ihres LinkedIn-Profilbilds abgewiesen.

Ganze 70 % der Befragten gaben zu, dass Sie bereits Kandidaten aufgrund ihres LinkedIn-Profilbilds nicht eingestellt haben.

Wir haben Vorurteile, ohne es zu wissen 

Unser Urteilsvermögen wird von vielen Faktoren beeinflusst. So gibt es die Verzerrung durch falschen Konsens, Attributionsfehler oder die Verzerrung durch den sozialen Vergleich. Aber insbesondere der Halo-Effekt spielt hier eine wichtige Rolle. Diese kognitive Verzerrung sorgt dafür, dass wir einer Person eine positive Eigenschaft zusprechen, nur weil sie auf einem anderen Gebiet überzeugt hat.

Durch diesen so genannten Halo-Effekt geht man sofort davon aus, dass gut aussehende Menschen besser für öffentliche Dienste geeignet sind. Eine Studie aus dem Jahr 2010 zeigt, dass wir beurteilen wie gut ein Politiker aussieht und aufgrund dessen über seine Regierungsfähigkeit entscheiden.

Was hat all das mit unserem LinkedIn-Profilbild zu tun?

Derselbe Halo-Effekt setzt ein, wenn wir uns LinkedIn-Profile anssehen. Wir wissen, dass es so nicht sein sollte, aber dennoch bevorzugen wir Profilbilder von Bewerbern, die attraktiv aussehen. Unterbewusst stellen wir einen Zusammenhang zu deren Leistung her. Auf diese Weise werden gewisse Kandidaten abgelehnt, obwohl ihre Qualifikationen für sie sprechen würden.

Widersprechen sich Arbeitgeber bei Linkedin selbst

Von den befragten Arbeitgebern gaben 71 % zu, dass sie mindestens einmal schon Bewerber aufgrund ihres LinkedIn-Profilbilds ablehnten, obwohl die entsprechenden Qualifikationen vorhanden waren.

Fast 4 von 10 (38 %) tun dies regelmäßig.

Heißt das, dass Arbeitgeber jedes Mal durch den Halo-Effekt beeinflusst sind, wenn ein Bewerber abgelehnt wird? Sicherlich nicht, aber er spielt vielleicht doch eine Rolle.

Wie in der Politiker-Studie aus dem Jahr 2010 zu sehen war, ist es möglich, dass wir unterbewusst anhand des Aussehens darüber entscheiden, wer für einen Job geeignet ist und wer nicht.

Der erste Eindruck kann darüber entscheiden, ob Sie den Job bekommen.

Oder zumindest erhöht er die Chancen dafür, eingestellt zu werden.

Alex Shute, Gründer von FaithGiant gibt zu: “Manchmal bilde ich mir meine Meinung über eine Person einzig und allein anhand ihres LinkedIn-Profilbilds, weil es das einzige Bild ist, das ich wirklich von ihr habe. Letztlich zeigt das, wie wichtig der erste Eindruck ist.”

Der erste Eindruck ist entscheidend

Das haben wir in unserer Studie herausgefunden:

  • 95 % glauben, dass unser LinkedIn-Profil die Visitenkarte der Neuzeit darstellt.
  • Weitere 96 % sind der Meinung, dass ein professionelles LinkedIn-Profilbild Vertrauen schafft.
  • Ganze 80 % sagen, dass die Profilbilder ihrer Bewerber dazu beitragen, diese besser kennenzulernen.

Was sagt uns das? Der erste Eindruck zählt und er kann uns entweder dabei helfen ein Bewerbungsgespräch zu erhalten oder letztlich dazu führen, aussortiert zu werden.

Und obwohl wir wissen, dass es falsch ist, tun wir es trotzdem.

Wie oben bereits erwähnt sind 82 % der Befragten davon überzeugt, dass wir ein Buch nicht nach seinem Umschlag beurteilen sollten.

Und dennoch geben 7 von 10 Arbeitgebern zu, bereits Kandidaten aufgrund ihres LinkedIn-Profilbilds abgewiesen zu haben, obwohl entsprechende Qualifikationen vorhanden waren.

Da diese Befunde sehr widersprüchlich sind, wollten wir weiter forschen und herausfinden inwieweit die Teilnehmer dieser Aussage zustimmen können: “Bewerber sollten ausschließlich anhand ihrer Kompetenzen beurteilt werden.” 

Das war das Ergebnis:

  • 78 % der befragten Arbeitgeber stimmten der Aussage, dass Bewerber nur aufgrund ihrer Kompetenzen beurteilt werden sollten, zu einem gewissen Grad zu.

Ähnlich wie bei dem Buch-Umschlag-Beispiel wollten wir uns die Personen genauer anschauen, die zugaben, dass sie Bewerber aufgrund ihres LinkedIn-Profilbilds ablehnten. Wir wollten deren Standpunkt besser verstehen. 

Es hat sich gezeigt, dass 61 % der Befragten, die Bewerber aufgrund ihres Aussehens ablehnten, gleichzeitig auch der Meinung sind, dass diese nur nach ihren Kompetenzen beurteilt werden sollten. Das Buch-Umschlag-Beispiel ist vermutlich zu allgemein, um es auf den Einstellungsprozess über LinkedIn anzuwenden, aber diese Statistik konzentriert sich ganz spezifisch auf diesen Aspekt.

Beurteilen wir Menschen also nur nach ihrem Aussehen oder sind noch weitere Faktoren im Spiel? Sind Bildung und Berufserfahrung die einzigen Hinweise darauf, wie wertvoll und ehrgeizig der Kandidat ist?
Um dies besser zu verstehen, könnten die Worte von Ravi Davda, CEO bei Rockstar Marketing, vielleicht helfen: „Ich ignoriere jedes Profil, das keines [Profilbild] hat. Wenn sie sich keine 5 Minuten nehmen können, um ein Profilbild hochzuladen, dann kann ich sie nicht ernst nehmen.”

Wer schaut auf den Lebenslauf und wer auf das Profilbild?

In unserer Umfrage untersuchten wir drei Gruppen, die für die Personaleinstellung zuständig sind:

  • HR-Profis 
  • Manager
  • Geschäftsinhaber

Wir haben nachgefragt, ob das LinkedIn-Profilbild ein entscheidender Faktor sei, wenn zwei Bewerber ähnliche Qualifikationen vorzulegen haben.

Wer liest den Lebenslauf und wer schaut auf das Bild


Interessanterweise schien es so als würden die Geschäftsinhaber Bewerber mit einem besser aussehenden Profilbild bei LinkedIn bevorzugen. Für über 90 % von ihnen ist das Profilbild ein wichtiger Faktor bei der Auswahl von Kandidaten. Bei den Managern waren es 60 % und bei den HR-Profis immerhin 50 %.

Anschließend wollten wir von ihnen wissen, wie wahrscheinlich es ist, dass sie Bewerber übersehen, wenn diese kein LinkedIn-Profilbild eingestellt haben. Das waren die Antworten:

  • Geschäftsinhaber: 88 %
  • Manager: 74 %
  • HR-Profis: 33 %

Wir wollen all das mit den Worten von Josh Wright, CEO bei CellPhoneDeal, zusammenfassen: „Meiner Erfahrung nach bringt es mehr, einen Bewerber einzustellen, der ein vollständiges LinkedIn-Profil vorzeigen kann als jemanden, der sich diese Mühe nicht gemacht hat. Diejenigen mit einem anständigen Profil haben sich letztlich als produktiver herausgestellt.“

Lohnt es sich seinen Charakter zu zeigen?

Wir wollen mit Menschen zusammenarbeiten, die genauso denken wie wir. Unabhängig davon, ob es um Ansichten oder um die Arbeit geht. In der Psychologie wird dies auch Eigengruppenbevorzugung genannt.

Darüber hinaus wollen wir auch mit Menschen arbeiten, die wir mögen.

Was macht ein gutes Linkedin Profil-Bild aus

Deswegen wollten wir untersuchen, inwieweit Sympathie für Arbeitgeber wichtig war. Es stellte sich heraus, dass für 67 % der Befragten ein Ähnlichkeitsgefühl von großer Bedeutung war.

Aber für Arbeitgeber ist nicht nur ein positives Gefühl bei der Auswahl der Bewerber wichtig, sondern auch Authentizität spielt eine große Rolle.

Aktuelle Studien zeigen, dass Authentizität als eine essenzielle Eigenschaft für Profilbilder gilt. In unserer Umfrage gaben 65 % der Teilnehmer an, dass Authentizität entscheidend sei. Mangelnde Persönlichkeit belegt den vierten Platz auf der Liste der häufigsten Fehler bei Profilbildern.

Professionalität ist aber zweifelsohne die wichtigste Eigenschaft. Über 87 % der Befragten deuteten an, dass die Professionalität des Profilbilds einen großen Stellenwert bei der Auswahl der Kandidaten hat.

Und selbstverständlich auch die Qualität. All die oben erwähnten Punkte sind nichts mehr wert, wenn das Bild verpixelt, unvorteilhaft belichtet oder einfach nur schlecht aufgenommen ist.

Kein Job wegen Urlaubsfoto?

Wir wissen bereits, dass Arbeitgeber das LinkedIn-Profilbild genau ansehen. Die Frage ist jetzt, wie können Sie diese auf sich aufmerksam machen?

Linkedin-Profilbild: Warnsignale

Als allererstes wollen wir einen Blick auf die Warnsignale werfen:

  • Nicht das ganze Gesicht ist sichtbar: 75%
  • Schlechte Auflösung: 67%
  • Urlaubsfoto: 49% 
  • Nicht authentisches Bild: 38%
  • Firmenlogo anstelle von persönlichem Bild: 28%
  • Übertriebene Lässigkeit: 23% 
  • Kein Lächeln: 15%

Ihre Persönlichkeit zu zeigen ist wichtig, aber das heißt nicht, dass Sie Ihre Freizeitaktivitäten zur Schau stellen sollen. Urlaubsbilder kommen da weniger gut an. Außer natürlich Sie bewerben sich für eine Stelle, in der genau das gesucht wird (z.B. Rettungsschwimmer).

So holen Sie das meiste aus Ihrem Linkedin-Profilbild heraus

Wie können Sie Ihr LinkedIn-Profilbild verbessern? 

  • Bessere Qualität: 77% 
  • Wählen Sie ein professionelles Bild: 44%
  • Nutzen Sie einen professionellen Fotografen: 39%
  • Wählen Sie eine charismatische Pose: 31%
  • Seriöse Körperhaltung: 11%

Diesen Ratschlag gibt Mario Perez, professioneller Fotograf und Gründer von Blog del Fotografo: „Ich empfehle immer, dass man Kleidung tragen sollte, die zu dem Stil und der Kultur der Branche sowie zu der Stelle passt, auf die man sich bewirbt.“

Bekommt man den Job als attraktiver Mensch leichter?

Da es meistens nur ein rascher Blick auf das Profilbild ist, kann das Aussehen durchaus die Entscheidung der Arbeitgeber beeinflussen.

Heißt das also, dass manche von uns überhaupt gar keine Chance haben?

Zum Glück nicht. Laut unserer Umfrage ist es in erster Linie nicht das Aussehen, das überzeugt, sondern die allgemeine Qualität und Professionalität des Profilbilds.

Die Professionalität wird von 60 % der Befragten als wichtiger Faktor betrachtet. Professionalität bedeutet hier, dass nur der Kopf und ein neutraler Hintergrund zu sehen sein sollten.

Hubsche Augen sind weniger wichtig als handfeste Kompetenzen

Hübsche Augen sind weniger wichtig als handfeste Kompetenzen

Die gute Nachricht hier ist, dass laut unserer Umfrage Qualifikationen trotzdem noch den wichtigsten Faktor beim Einstellen von Personal darstellen.

Ganze 70 % der Arbeitgeber bei LinkedIn ziehen Bewerber mit einem aussagekräftigen Lebenslauf denen vor, die nur ein hübsches Profilbild haben.

Ein LinkedIn-Profilbild bringt aber auch noch andere Vorteile mit sich: Es deutet an, dass das Profil aktiv und kein Fake ist.

Stefan Smulders, CEO von Expandi, fasst alles in zwei starken Sätzen zusammen: „Die meisten Profile, die kein Profilbild haben, sind fake oder etwas stimmt nicht. Um mir also zukünftigen Ärger zu ersparen, ignoriere ich diese einfach. Und selbst wenn es sich dabei um echte Bewerber handelt, die Tatsache, dass sie sich in diesem Kontext weigern ihr Gesicht zu zeigen, reicht mir, um sie auszuschließen.“

Besser gleich ein LinkedIn-Profilbild einstellen

Ein vollständiges LinkedIn-Profil erhöht nicht nur Ihre Chancen in den Suchergebnissen aufzutauchen, sondern hinterlässt auch einen besseren ersten Eindruck.

Unsere Studie zeigt, dass das Profilbild darüber entscheiden kann, ob Sie kontaktiert oder einfach übersehen werden.

Ein professionelles Profilbild allein ist jedoch nicht alles. Es muss auch zur Nische passen.

Viele Menschen sind besorgt, diskriminiert zu werden (rassistisch, ethisch oder sexuell), wenn sie ein Profilbild einstellen. In diesem Fall kann Chloe Chioy, Personalleiterin und Lebenslauf-Expertin bei CVGenius.com, für ein wenig Erleichterung sorgen: „Stellen Sie immer ein Profilbild in LinkedIn ein. Wenn ein Unternehmen Sie aufgrund Ihrer Nationalität, Ihres Alters oder Ihres Geschlechts nicht einstellen möchte, dann ist dieses Unternehmen ohnehin nichts für Sie.”

Die wichtigsten Ergebnisse

  • Qualität und Professionalität zählen zu den wichtigsten Faktoren für Arbeitgeber bei LinkedIn, wenn Sie Bewerber auswählen. LinkedIn dient dazu, einen ersten Eindruck zu erlangen und die Qualität des Profils wird häufig mit der Leistungsqualität der Kandidaten in Verbindung gestellt. Es ist immer gut, ein wenig Persönlichkeit zu zeigen.
  • 71 % der Arbeitgeber geben zu, dass sie mindestens einmal schon Bewerber aufgrund Ihres LinkedIn-Profilbilds abgelehnt haben.
  • 80 % der Personaleinsteller bei LinkedIn glauben, dass sie die Bewerber mit Hilfe des Profilbilds besser kennenlernen können.
  • 61 % der Befragten, die Profile aufgrund des Profilbildes abgelehnt haben, glauben gleichzeitig, dass man Bewerber ausschließlich anhand ihrer Qualifikationen beurteilen sollte.
  • 88 % Geschäftsinhaber geben zu, Profile ohne Profilbild auszusortieren.
  • 87 % der Arbeitgeber bei LinkedIn sehen Professionalität als ausschlaggebenden Faktor bei der Auswahl der Bewerber an.
  • 70 % Arbeitgeber bei LinkedIn ziehen Kandidaten mit einem starken Lebenslauf denen mit einem hübschen LinkedIn-Profilbild vor.

Vorgehensweise

Wir haben Geschäftsinhaber, HR-Profis und Manager befragt, um diese Studie durchzuführen und konnten so beinahe 200 Aussagen zusammentragen.

Fair Use Statement

Mit dieser Studie soll darauf aufmerksam gemacht werden, welche Wirkung LinkedIn-Profilbilder (oder das Fehlen eines Profilbilds) darauf haben können, ob der Bewerber eingestellt wird oder nicht. Wir wollen damit Bewerbern, Arbeitgebern und anderen Gruppen, für die dieses Thema relevant ist, helfen.

Wenn Sie glauben, unsere Ergebnisse haben Ihnen geholfen oder Sie fanden sie spannend und möchten sie teilen, dürfen Sie das gerne tun. Denken Sie dabei aber bitte daran, uns als Quelle zu nennen und die Studie zu verlinken.

Besondere Danksagung

Ohne die Hilfe und Hingabe der vielen Fachleute, die ihre Einblicke mit uns geteilt haben, hätten wir diesen Artikel nicht verfassen können.

Da es so viele Aussagen gab, konnten wir leider nicht alle einbringen. Aber dennoch möchten wir uns bei allen bedanken, durch die diese Studie ermöglicht wurde.

Vielen Dank. 

Zusätzlich vielen Dank an Natalhy Kharkina von Greenbabyworld und Maataaf Khan von Indolj, die unsere Fragen beantwortet und uns aktiv unterstützt haben.

Quellen

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